Zu Besuch im Frauenhaus des SKF in Gießen // Noch immer viel Handlungsbedarf im Kampf gegen Gewalt an Frauen

Pressemitteilung: Am vergangenen Donnerstag besuchte der heimische Bundestagsabgeordnete Felix Döring (SPD) das Frauenhaus des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SKF) in Gießen. Seit über 40 Jahren finden hier von häuslicher Gewalt betroffene Frauen Schutz. „Die Arbeit in Frauenhäusern ist ausschlaggebend für die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, wie es im Rahmen der Istanbul-Konvention vorgesehen ist. Ich freue mich darauf, heute einen Einblick in Ihre Arbeit gewinnen zu können“, so Döring zu Beginn des Treffens.

Noch immer gibt es zu viel Gewalt gegen Frauen

Handlungsdruck gebe es genug: Die 2014 in Kraft getretene Istanbul-Konvention verpflichtet Deutschland zur Umsetzung umfassender Maßnahmen, die auf die Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen abzielen. Gewalt gegen Frauen ist noch immer alltäglich. Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist für 2021 in Mittelhessen 44.000 Straftaten aus, davon 1150 Fälle häuslicher Gewalt und weitere 1300 sexualisierter Gewalt. Besonders Frauen aus prekären Milieus seien laut Mitarbeiterin Zehra Eraslan auf die Hilfe der Frauenhäuser angewiesen. Es sei wichtig, die Verfügbarkeit von Frauenhausplätzen auszubauen, um allen Betroffenen Schutz gewährleisten zu können. 

Fehlende Sozialwohnungen und viel Bürokratie erschweren schnelle Hilfe

Die Frauenhäuser stehen vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Die Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen in Gießen, Yvonne Fritz, kritisiert die enormen bürokratischen Hürden, mit denen die Mitarbeiterinnen zu kämpfen haben. So stünden seitens der Behörden einer schnellen Hilfe häufig fehlende Unterlagen, die zum Beispiel noch in der Wohnung des Mannes sind, entgegen und es müssten zunächst unzählige Seiten Formulare ausgefüllt werden. Dadurch fehle es oft an Zeit für die wichtige pädagogische Betreuung der Frauen. Zudem fehle es an einer nachhaltigen Finanzierung des Aufenthalts, an KiTa-Plätzen sowie an Sozialwohnungen, um den Übergang in einen eigenständigen und geregelten Alltag zu ermöglichen.

Wir müssen Frauenhäuser und die Frauen, die Schutz suchen, besser unterstützen!

„In akuten Notsituationen müssen Frauen ungehindert Zugang zu Hilfeleistungen erhalten. Es ist nicht nur wichtig, dass wir mehr Plätze in Frauenhäusern, auch durch Bundes- und Landesförderung, schaffen. Wir müssen bürokratische Hürden abbauen und schnelle Hilfe gewährleisten, damit Frauen mit Gewalterfahrungen nicht in einem Antragsdschungel versinken. Ich werde mich in Berlin dafür einsetzen, dass wir hier gezielt Möglichkeiten suchen, die ersten Hilfen zu entbürokratisieren und die Abläufe damit zu beschleunigen. Damit bleibt mehr Zeit für die wichtige Betreuung der Frauen. Auch beim sozialen Wohnungsbau müssen wir einen Zahn zulegen. Ich freue mich, dass die Stadt Gießen hier bereits viel unternimmt und wir auch im Koalitionsvertrag den Bau von 100.000 Sozialwohnungen beschlossen haben. Das ist ein wichtiger Schritt“, erläutert Döring zum Abschluss des Termins.

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