felix mittig rot

Wir brauchen eine Bildungsoffensive für Deutschland!

Durch die Corona-Pandemie haben wir es alle mitbekommen – dabei wussten wir es eigentlich auch schon vorher: Das Bildungssystem in Deutschland ist in nahezu allen Bereichen unterfinanziert. Wir müssen eine Bildungsoffensive starten. Denn jeden Cent, den wir in Bildung investieren, investieren wir in Zukunft. Wir geben nur etwa 4,5% unseres Bruttoinlandsprodukts für Bildung aus. Länder wie Schweden sind uns mit 7% meilenweit voraus. Gerade als Lehrer ärgert mich diese mangelnde Wertschätzung für unsere Schulen, Kitas, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen.

„Niemand wird zurückgelassen“ muss der Grundsatz einer sozialdemokratischen Bildungspolitik sein. Noch immer hängt der Bildungserfolg in Deutschland maßgeblich von der Herkunft ab. Ich will, dass der Aufstieg durch Bildung nicht nur leere Phrase ist, sondern wieder gesellschaftliche Realität wird!

Kleinere Klassen – mehr Personal

Aus eigener Erfahrung weiß ich: Es macht einen riesigen Unterschied, ob ich 15 oder 25 Kinder unterrichte. Jeder einzelnen Schülerin und jedem einzelnen Schüler gerecht zu werden, funktioniert nur in kleinen Klassen. Das gleiche gilt im Bereich der frühkindlichen Bildung. Gerade hier ist der Personalmangel durch schlechte Bezahlung hausgemacht. Das müssen wir dringend ändern, um den Job endlich wieder attraktiv zu machen und unseren Kindern von Anfang an die beste Betreuung zu bieten.

Digitalisierung vorantreiben!

Einfach nur allen Kindern ein Tablet in die Hand zu drücken sieht zwar schick aus, bringt aber nicht viel. Denn Digitalisierung ist nicht einfach nur die Ausstattung mit Technik, sondern braucht pädagogische Konzepte und Personal, das diese entwickeln kann. Wenn ich allerdings von Lehrer*innen höre, dass sie, um im Klassenraum ein Video aus dem Netz abspielen zu können, einen Hotspot mit ihrem privaten Datenvolumen legen müssen, dann fehlt es an unseren Schulen schon in diesem grundlegenden Bereich. Schulen müssen bei der Digitalisierung mit oberster Priorität behandelt werden, die Kreidezeit ist im Jahr 2021 endgültig vorbei.

Noch immer fehlen Hunderttausende KiTa-Plätze

Die Betreuungsquote bei Kindern unter drei Jahren liegt in Deutschland bei lediglich 35 %, mit erheblichen Unterschieden zwischen den Bundesländern. Der Bedarf ist aber deutlich höher. Etwa die Hälfte aller Eltern würde gerne die Betreuung in einer Tagesstätte oder einer öffentlich geförderten Tagespflege in Anspruch nehmen. Der Staat muss sicherstellen, dass sich gerade Frauen nicht zwischen Beruf und Familie entscheiden müssen. Der Bund muss viel mehr Geld in die Hand nehmen, um Kommunen beim Bau von KiTas Einrichtungen zu unterstützen. Gleichzeitig muss er für eine angemessene Bezahlung der Erzieher*innen sorgen!

Berufliche Bildung – garantiert!

Das duale Ausbildungssystem muss in Deutschland weiterhin eine Schlüsselrolle spielen! Wir dürfen nicht nur Gymnasien und Universitäten als Leuchttürme fördern und berufliche Schulen dabei vergessen. Gerade hier ist der Sanierungsstau oft erheblich und wird nur mit Hilfe von Bundesmitteln aufgelöst werden können. 2020 wurden erstmals seit mehr als 40 Jahren weniger als 500.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Gleichzeitig sind viele junge Menschen nach der Schule ohne Perspektive. Daher setze ich mich für eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie ein, die solidarisch aus einem Fonds finanziert wird, in den alle Betriebe einzahlen. So können wir die duale Ausbildung strukturell stärken und Ausbildung für Alle ermöglichen. Damit wir auch morgen gut ausgebildete Fachkräfte haben!

Hochschulen

Überfüllte Vorlesungen und Seminarräume: In keiner Bildungseinrichtung ist der Personalschlüssel so schlecht wie an unseren Hochschulen und Universitäten. Lehre darf neben der Forschung nicht untergehen. Knapp 3 Millionen Studierende in Deutschland verdienen bessere Voraussetzungen. Auch der Bund muss sich stärker an der Finanzierung unserer Hochschulen beteiligen – die Mittel aber dauerhaft und verlässlich bereitstellen, um etwas gegen die hohe Quote befristeter Jobs zu unternehmen.

Lebenslanges Lernen

Der Bedarf nach Qualifizierung und Bildung endet nicht mit dem Uni-Abschluss oder der Ausbildung. Wir müssen lebenslanges Lernen zum Standard machen, auch weil wir nicht genau wissen, wie unsere Arbeitswelt in zehn oder zwanzig Jahren aussieht. Weiterbildung muss Teil des normalen Berufslebens werden und gleichzeitig auch so gefördert werden, dass sich niemand zwischen Qualifikation und Miete entscheiden muss. Durch ein Recht auf Weiterbildung werden wir sicherstellen, dass sie jeder und jede in Anspruch nehmen kann. Bundesweit!

Fazit

Die entscheidende Frage ist: Wie viel ist uns Bildung wert? Ich bin davon überzeugt: Investitionen in Bildung haben oberste Priorität. Bildung ist der Schlüssel zu Chancengleichheit und zu unserer Zukunft. Hier müssen wir weltweit Vorreiter sein, statt Mittelmaß. Deshalb müssen wir Geld in die Hand nehmen für eine nationale Bildungsoffensive!