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Aus Liebe zum Dorf: Infrastruktur erhalten und ausbauen

Unsere Region ist vielseitig und schön. Neben der Universitätsstadt Gießen mit ihrem „Speckgürtel“ ist sie geprägt durch viele kleine Gemeinden und Dörfer. Während größere Orte von der dortigen Infrastruktur profitieren, sind die Menschen im eher ländlichen Raum oft vor enorme Herausforderungen gestellt. Politik muss gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land schaffen. Infrastruktur muss erhalten und ausgebaut, Innenstädte und Ortskerne erhalten werden.

Ich selbst bin in Pohlheim aufgewachsen, habe in Gießen studiert und wohne nun wieder mit meiner Frau und unserem Hund im Pohlheimer Ortsteil Dorf-Güll. Väterlicherseits kommt meine Familie aus Laubach an der Grenze zum Vogelsberg. Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage: Das Leben hier ist schön! Sowohl auf dem Land, als auch in der Stadt! Bei meinen Gesprächen mit den Menschen auf den Dörfern kriege ich aber immer wieder die gleiche Geschichte erzählt: „Früher gab es hier noch den Metzger, den kleinen Einkaufsladen, den Bankautomaten. Jetzt hat alles zu.“ Auch daran will ich etwas ändern.

Innenstädte und Ortskerne erhalten und stärken

Amazon und Co gefährden unseren lokalen Einzelhandel. Natürlich können wir an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen appellieren und sie bitten, vor Ort einzukaufen. Aber wir müssen vor allem wieder faire Wettbewerbsbedingungen schaffen. Große Player wie Amazon müssen endlich angemessen Steuern und ihren Mitarbeiter*innen einen ordentlichen Lohn zahlen. So werden kleinere Geschäfte wieder konkurrenzfähig. Der kleine Laden um die Ecke erfüllt auch eine gesellschaftliche Funktion. Neben Arbeitsplätzen sorgt er für Begegnungen und ist ein Ort des Miteinanders. Der Bund kann hier mit Förderprogrammen unterstützen.

Internet als Standortfaktor

Internet ist mehr als Netflix. In fast allen Branchen sind Unternehmen heute auf schnelles und zuverlässiges Internet mit Glasfaser und 5G angewiesen. Vom großen Digitalkonzern bis zum kleinen Handwerksbetrieb wird das immer wichtiger. Auch der Trend zum Homeoffice ist unumkehrbar.

Schnelles Internet haben wir mittlerweile zwar in allen Städten, doch auf dem Land sieht das anders aus. Wenn wir wollen, dass der ländliche Raum wieder attraktiv für Unternehmen, junge Familien und Familiengründungen wird, müssen wir das ändern. Und wenn man dann auch Netflix besser schauen kann, ist das auch nicht schlimm.

Bus und Bahn anbinden

Keine Frage: Das Auto ist aus der Lebensrealität der meisten Menschen auf dem Land nicht wegzudenken. Das liegt aber auch daran, dass Bus und Bahn viel zu schlecht ausgebaut sind, um eine echte Alternative zu sein. In den vergangenen Jahrzehnten wurde hier viel mehr ab- als aufgebaut. Das müssen wir umdrehen, indem wir zum Beispiel alte Bahnstrecken wie die Lumdatal- oder die Horlofftalbahn schleunigst reaktivieren. Dabei dürfen auch nicht allein die Fahrgastzahlen eine Rolle spielen.

Gerade Kinder und ältere Menschen haben häufig noch nicht einmal die Möglichkeit, ein Auto zu nutzen und sind auf den ÖPNV angewiesen. Außerdem ist dieser viel besser für das Klima. Deshalb muss er besser werden. Alle Menschen haben einen Anspruch auf Mobilität!

Fazit

Wenn wir den ländlichen Raum einfach nur den freien Kräften des Markts überlassen, kommen wir nicht weiter. Ich will mich für gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land einsetzen. Das wird uns einiges kosten. Aber das sollte es uns auch wert sein – die Flucht in die Stadt löst kein Problem. Aus Liebe zum Dorf.